30.08.2014

Über Stock und Stein

Wider Erwarten haben wir sehr gut geschlafen, nur der Regen hat uns einmal geweckt. Die Temperaturen sind höher als gestern Abend. Rolf und Franziska sind schon auf, haben Feuer gemacht und sind dabei, das Frühstück zuzubereiten. Nach unserer Morgentoilette im "großen Bad" werden die Pferde getränkt, dann versammeln wir uns in der "Küche" zum Frühstück. Rolf hat heute Morgen Pfannekuchen gebacken, die vorzüglich schmecken. Daneben gibt es Brot, Käse, Wurst, Marmelade, Tee, Kaffee, Kakao, Müsli - alles vorhanden!




Nach dem Frühstück und Aufräumen im Camp werden die Pferde gesattelt. Rolf und Franziska müssen uns noch immer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es ist merkwürdig, dass ich mir von einer jungen Frau, die meine Tochter sein könnte, beim Satteln helfen lassen muss. Früher in den Wildwestfilmen hat das alles so einfach ausgesehen. Da hätte sich niemals ein Cowboy oder Revolverheld sein Pferd von einer Frau satteln lassen. Tja, die Zeiten haben sich geändert.


An diesem Morgen müssen wir unsere Regensachen überziehen. Es regnet zwar nicht mehr, aber Sträucher, Büsche und Bäume sind nass und die Regentropfen hätten unsere Kleidung bei unserem Ritt durch die Wildnis innerhalb kürzester Zeit völlig durchnässt. Wir werden heute einen Tagesritt machen und abends wieder ins Camp zurückkehren, deshalb werden wir die beiden Packpferde PATCHES und MEADOW auch zurück lassen.

Die Pferde sind heute Morgen sehr unruhig und knuffen sich ständig gegenseitig. Auch BUDDY ist augenscheinlich nicht in bester Laune, denn er zwickt mich aus nicht nachvollziehbaren Gründen auf einmal ins Bein. Ich habe keine Ahnung, was ich falsch gemacht habe, vielleicht waren die Streicheleinheiten auch nur nicht ausgiebig genug. Als wir eine große Kiesbank überqueren, kommt plötzlich im Galopp aus dem Gebüsch PATCHES angetrabt. Irgendwie hat er es geschafft, unter dem Elektrodraht des Corrals zu entwischen. Rolf beschließt, ihn einfach so mitlaufen zu lassen und mit einem triumphalen Ausdruck im Pferdegesicht galoppiert PATCHES an der gesamten Reitergruppe vorbei und setzt sich direkt hinter Rolf an die Spitze unserer Karawane.





Nach der Mittagsrast erreichen wir wenig später ein Seitental an der Minors Range. Zuvor führt der Trail aber noch über einen Schwindel erregenden Pfad mit einer ebensolchen Aussicht auf die wunderschöne Landschaft, die in leuchtenden Herbstfarben nun bei strahlend blauem Himmel vor uns liegt. Nach dem bisher steilsten und schmalsten Anstieg auf dieser Tour, bei dem es äußerst wichtig ist, sich ganz fest in der Pferdemähne festzuhalten, um nicht runter zu fallen (rechts und links geht es ca. 50 m steil bergab!), liegt dann ein ganz schmaler Bergrücken vor uns, den wir vorsichtig auf dem nur maximal 60 cm breiten Pfad überqueren. Inge ist etwas blass um die Nase. Ihr steckt wohl doch noch der Schreck vom gestrigen Sturz in den Knochen.
Als wir nach einer Weile das Plateau am Pilot Mountain erreichen, sind wir nicht alleine. Rolf trifft dort oben ein befreundetes Ehepaar. Die beiden haben ein Fernrohr aufgebaut und beobachten damit Dallschafe am gegenüberliegenden Hang. Obwohl die Tiere weiß sind, kann man sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen und auch mit einem normalen Fernglas sieht man nicht mehr als sich bewegende weiße Punkte. 



Wir verspeisen bei traumhafter Aussicht auf die vor uns liegende bunte Landschaft unser Lunchpaket. Leider kommen heute die herrlichen Farben nicht so richtig zur Geltung, weil sich inzwischen die Sonne hinter dicken Wolken versteckt hat. An diesen wunderschönen Ort kommt man nur auf dem Pferderücken oder nach einer sehr langen Wanderung. Natürlich sind auch die Hunde hungrig und gehen auf die Jagd. Frosty kommt wenig später mit einem Kaninchen an, das er zur Hälfte frisst. Die andere Hälfte vergräbt er unter einem Strauch in einem tiefen Loch, scharrt Erde darüber und stampft mehrmals energisch nach, damit kein Geruch nach außen dringt und womöglich Blacky seine Beute stibitzt. Nach einer Stunde Rast machen wir uns wieder auf den Rückweg.

Weil Inge vom Sturz am Tag zuvor noch etwas ängstlich ist, gehen wir diesmal die steile und sehr schmale Passage über den Bergrücken zu Fuß runter. Ein Fehler, wie mir scheint, denn die Pferde gehen hier wesentlich sicherer als die Reiter. Gott sei Dank geht alles gut. Kurz bevor wir das Camp erreichen, schlägt Buddys Stunde. Er verzögert auf einmal das Tempo und tut so, als würde er fressen. Doch auf dem Boden wachsen nur Pflanzen, die er sonst immer verschmäht hat. Ich blicke nach vorne und sehe in ca. zwanzig Meter Entfernung einen Baum in gut einem Meter Höhe über dem Trail liegen. Danach führt der Weg den Abhang hinauf. Ich ahne, was mir jetzt bevorsteht und versuche im Schnelldurchgang die Lehren meines heimischen Reitlehrers hervor zu kramen, denn BUDDY hat offensichtlich vor, dieses Hindernis im schnellen Galopp zu nehmen! 
Kurz nachdem Rolf und PATCHES, der Mitläufer, im Gestrüpp verschwunden sind, galoppiert BUDDY tatsächlich los. Weder das Ziehen der Zügel noch die laut gebrüllten Worte "Wow" was soviel heißt wie "stehen bleiben", können ihn von seinem Vorhaben abbringen. BUDDY springt über den Baumstamm und galoppiert im schnellen Tempo den Abhang hoch. Bevor auch er dann im Gebüsch verschwindet, dreht er kurz den Kopf. Ich glaube, er grinst! Rolf hat von all dem nichts mitbekommen, aber hinter mir höre ich Inge und Katja kichern. Schon zwei Tage vorher hat Rolf versucht mir klar zu machen, dass ich das Pferd kontrollieren soll und nicht das Pferd mich. Tja, niemand hört auf mich! Weder die Katze zuhause, noch die eigene Ehefrau, die Hunde nicht und BUDDY erst recht nicht!

Wenig später meint er, mir noch mal klar machen zu müssen, wer der eigentliche Boss von uns beiden ist. Nachdem wir ein langes Kiesbett mit zahlreichen Tierspuren überquert haben, stehen wir auf einmal vor einem steilen Abhang, der hinunter zum Fluss führt, durch den wir durch müssen. Ein großer, vom Wasser glatt geschliffener Felsbrocken begrenzt den Trail und Rolf bedeutet uns, langsam und vorsichtig rechts daran vorbei zu reiten, dabei Beine im Steigbügel nach vorne und den übrigen Körper zurücklehnen. Das ist ja auch alles kein Problem, aber dann nimmt BUDDY plötzlich Anlauf, galoppiert genau über den glatten Fels, statt daran vorbei und nimmt einen völlig anderen Kurs als die übrigen Reiter, weil er am Ufer mal wieder etwas Fressbares entdeckt hat. Ich denke nur noch: „Das war´s, jetzt landest Du gleich im hohen Bogen mitten im Fluss“. Aber es geht gut, und BUDDY weidet erst mal in aller Seelenruhe die köstlichen Pflanzen ab. Was Inge hinter mir gedacht hat, kann man an ihrer blass gewordenen Nasenspitze ablesen …

Heute Abend gibt es einen anderen leckeren Cowboyeintopf, diesmal mit weißen Bohnen und Hackfleisch. Es schmeckt wieder einmal köstlich. Auch auf Nachtisch müssen wir nicht verzichten. Nach dem Essen sitzen wir am knisternden Lagerfeuer in gemütlicher Runde und reden über dies und das. Irgendwie sind wir alle heute alle etwas geschafft, und außerdem fängt es jetzt auch an zu regnen, so dass wir uns bald in unsere Zelte verziehen. 


29.08.2014

Millionen Sterne über dem Waldhotel

Heute geht es nun weiter mit der Fortsetzung unserer abenteuerlichen Pferdetour.
Zur Erinnerung: Der kursive Text stammt aus der Feder von Herrn Glasperlengarten.

Bevor wir nach diesem aufregenden Tag unser Ziel erreichen, müssen wir mehrmals einen kleinen Fluss, den "Flat-Mountain River" überqueren. Rolf gibt die Losung aus, die Zügel lang zu lassen, das Pferd findet den Weg alleine (haha, dass das nicht immer stimmt, hatten wir gerade erst erlebt...). Doch er scheint BUDDY schlecht zu kennen, der säuft erst mal in aller Ruhe, um sich dann an den Grasbüscheln am Flussufer gütlich zu tun. Nur mit energischem kicken ist er schließlich bereit, das Flussbett zu verlassen. Ein schmaler Pfad schlängelt sich direkt am sprudelnden und gurgelnden Wasser entlang und dann liegt auf einmal das Camp vor uns, das Rolf und Ingrid für ihre Gäste bereits gemütlich eingerichtet hatten. Geräumige 2-Personen-Zelte sind im Wald unter den Bäumen aufgebaut. Mit ihrer leuchtend gelben Farbe inmitten der herbstlich gefärbten Blätter strahlen sie so etwas wie Behaglichkeit aus. Es gibt eine mit einer großen Plane überspannte Koch- und Grillstelle. Pferdefutter, Werkzeuge und Kochgeschirr sind ebenfalls vorhanden. Nachdem die Pferde abgesattelt sind, machen sie sich hungrig über die im Corral ausgelegten Heuballen her. Ein fehlendes Zelt wird aufgebaut und wir richten uns in unserem "Waldhotel unter Sternen" gemütlich ein. Es ist nicht nur ein Wildnis-Camp unter Sternen, es hat von der Ausstattung her auch solche verdient! Es gibt in einer Kiste versteckt unter einem Baum sogar Klappsessel, die uns an den kommenden Abenden ein heimeliges Wohngefühl am Lagerfeuer vermitteln werden. 



 
Und dann kam die Krönung. Rolf bedeutete uns mit einem verschmitzten Lächeln, wir sollten ihm doch ins Bad folgen. Fragezeichen in unseren Gesichtern ... Der Weg dort hin war zwar weitaus länger als von zuhause gewohnt, aber dann konnten wir uns alle ein Grinsen nicht mehr verbeißen: Mitten im Wald von der Abendsonne angestrahlt stand da ein richtiges Plumpsklo! Als Katja mit mühsamer Beherrschung forderte, die Badtür zu schließen, weil sie jetzt allein sein wolle, war es vorbei mit der Stille in der Yukonwildnis. Schallendes Gelächter hallte durch den Wald, aber wir taten ihr den Gefallen und traten den Rückzug an. Von nun an blieb der Satz: "ich geh mal eben ins Bad" ein geflügeltes Wort. Ja, dieses Camp übertraf alle unsere Erwartungen. 


Das ist der große Rest vom Wildnisbadezimmer...
 
Die beiden Hunde haben es sich schon längst in der Nähe des prasselnden Feuers gemütlich gemacht. Sie sind platt, denn auf dem Weg hierher sind sie mindestens drei- bis viermal so weit gelaufen wie wir auf unseren Pferden. Manchmal waren sie weit voraus, manchmal hinter uns, oftmals sah man sie lange Zeit gar nicht. Sie lassen sich auch durch Franziska nicht stören, die inzwischen begonnen hat, das Abendessen vorzubereiten, während wir anderen die Pferde zum Fluss führen, damit sie ausgiebig trinken können. Irgendwann sitzen wir alle hungrig in den gemütlichen Sesseln um das Lagerfeuer herum. Zum Abendessen gibt es Bohnen mit Fleisch und Reis (Wagon-Boss Chili), angeblich ein einfaches Cowboy-Essen. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass die Cowboys früher wirklich so gut gegessen haben! Vermutlich war das Verhältnis Fleischanteil zu Bohnen damals 1:9. Heute Abend dagegen war es eher 9:1. Es schmeckt köstlich. Selbst Nachtisch fehlt nicht in unserem Wildnis-Gourmet-Restaurant!

Nach dem Essen wird abgewaschen und alle Lebensmittel werden in geruchsicheren Behältern verstaut. Dort hinein kommen später auch unsere Beutel mit Zahnpasta und sonstigen Utensilien, die irgendeinen Duft abgeben könnten. Rolf weist auch noch mal extra darauf hin, keinerlei Lebensmittel mit ins Zelt zu nehmen, wenn wir keinen nächtlichen Bärenbesuch riskieren wollen. Und wer will schon mitten in der Nacht in seinem Schlafsack unsanft aus seinen Träumen gerissen werden? Die ausgebrannten Blechdosen nehmen wir wieder mit zur Ranch zurück, während Verpackungen verbrannt werden. Nach dem Abendessen werden die Pferde nochmals zum Fluss geführt und getränkt. Danach sitzen wir noch bis Mitternacht am knisternden Lagerfeuer, bevor uns die Kälte in die Schlafsäcke treibt. Nun werden auch die Hunde angeleint, was den beiden überhaupt nicht gefällt. Wären Wölfe oder Bären in der Nähe, und wir haben unterwegs entsprechende Spuren und Hinterlassenschaften gesehen, würden sie denen sofort hinterher rennen. Doch insbesondere Wölfe mögen keine Hunde und sind außerdem erheblich stärker. Sie würden die Hunde töten. Rolf hat zur Sicherheit aber außerdem noch ein Gewehr dabei. Müde sinken wir in die Schlafsäcke.

Was hat Inges skeptischer Blick zu bedeuten, den sie mir noch zuwirft, bevor sie im Schein der Taschenlampe den Reißverschluss ihres Schlafsackes bis zum Kinn hoch zieht? Ach so: Meine erste Nacht in der Wildnis und meine erste Zeltübernachtung überhaupt in meinem Leben!

27.08.2014

Hoppe, hoppe Reiter ...

An dem Reisebericht über unser Pferdeabenteuer hat mein Herr Glasperlengarten mitgeschrieben. Wir haben darüber abwechselnd berichtet, jeder aus seiner Sicht. Heute könnt Ihr seine ersten Passagen hier lesen. Verständnishalber habe ich sie kursiv geschrieben.
Apropos "Hoppe, hoppe Reiter": Wenn er/sie fällt, dann schreit er/sie, das denkt Ihr jetzt bestimmt alle, oder? Weit gefehlt. Er/sie hat nicht geschrieen, wozu auch? In der kanadischen Wildnis hört einen sowieso keiner, außer vielleicht Bären, Elche oder andere Wildtiere :-)

Nun geht´s aber weiter, Ihr seid doch bestimmt schon neugierig, oder etwa nicht?


Am nächsten Morgen sitzen wir alle um den gemütlichen Frühstückstisch zusammen und jeder bemüht sich, sich die Aufregung wegen der bevorstehenden 3-Tage-Wildnistour nicht anmerken zu lassen. Lediglich die beiden Hunde sind außer Rand und Band, denn sie dürfen heute mit auf den Trip. Außerdem werden uns auch noch zwei Packpferde begleiten: PATCHES, der Boss der Pferdebande und MEADOW. Wenn man PATCHES zum ersten Mal sieht, kann man es kaum glauben, dass ausgerechnet er der Boss der Banausen sein soll: Ein kleines Pferdchen, eher einem Pony ähnlich, dem man auf dem ersten Blick keine Führungsqualitäten zutraut. Jedoch, ein Blick von ihm genügt und die Horde erstarrt in Ehrfurcht ...

PATCHES
Das Beladen der Packpferde ist eine Wissenschaft für sich und wir machen uns erst gar nicht die Mühe, es zu verstehen, denn in drei Tagen hätten wir es sowieso nicht gelernt. Als Proviant und unsere Ausrüstung auf den Pferden fest verschnürt sind, verlassen wir gegen 10.30 Uhr die Ranch. Ingrid fährt zunächst mit den Hunden im Auto voraus bis zur Stelle, wo der Reitpfad hinter der Straße in den Wald abbiegt und lässt sie erst dort laufen. Es war zu gefährlich, die Hunde schon von der Ranch aus mitlaufen zu lassen, denn besonders Blacky scheint keine Angst vor Autos zu haben. Er rennt nur allzu gerne mitten über die Straße und versucht, vorbeifahrenden Autos in die Reifen zu beißen!

Unser Weg führt zunächst über bekannte Trails. Nach ungefähr zwei Stunden verlassen wir den Pfad, und nun geht es immer weiter hinein in die Wildnis. Es geht steile Anstiege hinauf und ebenso steile Abhänge hinab. 
Lange Zeit reiten wir durch dichtes Strauchwerk. Von weitem ahnt man gar nicht, wie hoch die Sträucher in Wirklichkeit sind. Sie verschlucken unsere gesamte Reitgruppe!! Weder unser Vorreiter Rolf mit den Packpferden, noch der Reiter hinter dem eigenen Pferd sind zu sehen. Ein Glück, dass die Pferde den Trail kennen. Wären wir alleine, hätten wir sehr schnell die Orientierung verloren, denn oftmals beträgt die Sicht in dem Sträuchergewirr nur wenige Meter. Wie auch in den Tagen zuvor sitzen wir nicht stundenlang im Sattel, steigen unterwegs immer mal wieder ab und gehen mit den Pferden ein Stück zu Fuß. Zum Lunch rasten wir auf einer kleinen Lichtung. 


 


Bevor wir das Lager erreichten, hatten wir noch mal Rast gemacht und zu diesem Zeitpunkt war ich vom Reiten dermaßen begeistert und euphorisch, dass ich zu Rolf meinte, ich könnte mir durchaus vorstellen, Westernreiten zuhause weiter zu machen. Ich fand das alles höchst entspannend und das war es wirklich. Ich konnte fühlen, wie all der Stress der letzten Monate mit jedem Trab mehr von mir abfiel, wozu ganz sicherlich auch die Stille und wunderschöne Landschaft beigetragen haben. Ich war wie jedes Mal auf unseren Yukon-Reisen wieder bei mir angekommen!




Dann ging es auf zur letzten Etappe durch ein Sumpfgebiet. Das sollte die letzte Schwierigkeit für diesen Tag sein sagte Rolf. Wir sollten die Pferde einfach laufen lassen, die würden ihren Weg schon finden. 
Also tat ich wie geheißen. Rolf vor mir, dahinter der Pferdeboss PATCHES, dann ich und hinter mir Herr Glasperlengarten und die anderen. Rolf war durch den Sumpf, PATCHES ebenfalls, mein CAT stapfte los und schlug plötzlich mitten im Sumpf einen anderen Weg als die Pferde vor ihm ein. Ich dachte noch: "Gut, Rolf hat gesagt, die Pferde wissen, was sie tun, also wird das schon richtig sein". Und schon stand CAT bis zum Bauch im schwarzen Modder, knickte mit den Vorderbeinen ein... Um mich herum blubberte es. "Was macht der denn da?“, dachte ich, saß aber noch fest im Sattel. Und dann schwang sich CAT mit einem mächtigen Satz aus dem Sumpf, ich fand keinen Halt mehr und hatte nur noch den einen Gedanken: "Wenn er jetzt umfällt, musst Du unbedingt zur anderen Seite fallen, sonst..." 
CAT schwankte zur rechten Seite, rappelte sich aus dem Sumpfloch hoch und ich plumpste links vom Pferd. Zum Glück war dort an der Stelle ein kleiner Grashügel, so dass ich wenigstens nicht völlig in den Matsch fiel. Passiert war mir rein gar nichts, ich war ja sanft gelandet. Mein Herr Glasperlengarten meinte hinterher, das wäre ein Bild für die Götter gewesen: Pferd ging in die Knie und ich wäre auf einmal aus dem Blickfeld aller entschwunden gewesen. Und dann erst mal der Anblick von hinten! Ich hätte ausgesehen, als hätte ich die Hose voll gehabt. Ich hatte meine nasse Hose zuerst gar nicht gemerkt, da ich unter der Jeans eine Thermohose trug und die wärmte herrlich. Auch nach einem Moorbad! Rolf nahm mich sichtlich erleichtert in den Arm, als er sah, dass mir nichts passiert war. In diesen Sekunden dachte ich an meine Kanutour auf dem Big Salmon und auch das allseits bekannte Kinderlied "Hoppe, hoppe Reiter...." schwirrte in meinem Kopf herum. Irgendwie schien ich eine Sammlerin verschiedener "Fall-Versionen" zu sein: Erst Stürze vom Huskyschlitten, dann aus dem Kanu ins kalte Wasser mitten in der kanadischen Wildnis und nun der Plumps im Sumpf. Was würde wohl als nächstes kommen?
Inzwischen hatte Herr Glasperlengarten seine verlorene Kappe aus dem Sumpf gefischt und auch die anderen hatten wieder festen Boden unter den Füßen. Es war für alle nicht einfach gewesen, durch das Sumpfgebiet zu kommen, von dem Rolf sagte, hier wäre noch nie so viel Wasser gewesen wie diesmal. Nachdem wir uns alle von meiner unfreiwilligen Sondereinlage erholt hatten und mein anfänglicher Schock dem Vorsatz Platz machte: "Jetzt erst recht!"- ging es weiter.

Morgen geht´s dann mit dieser Pferdegeschichte weiter. Sie ist ja noch nicht zu Ende. 


26.08.2014

Emma, die Eule für den Ernst des Lebens

Am Mittwoch war der erste Schultag unseres kleinen Nachbarmädchens. Voller Aufregung erzählte sie uns von ihrer Schultüte. Als ich sie fragte, ob denn darin noch etwas Platz sei für ein kleines Päckchen meinte sie empört, das wisse sie doch noch nicht, sie dürfe doch erst in der Schule hineingucken. Also blieb mir nichts anderes übrig, als ihr mein kleines Geschenk zur Einschulung so zu übergeben und sie versicherte mir feierlich, dass sie dieses Päckchen erst nach der Schulfeier zuhause öffnen würde. Ihren neuen pinkfarbenen Schulranzen mit den Schmetterlingen durfte ich dann aber schon bewundern und konnte mir ein leises Schmunzeln nicht verkneifen, denn mit meiner Farbauswahl beim Stoff hatte ich genau richtig gelegen:

Emma, die "Einschul-Eule" - Meine Stickfee war endlich mal wieder im Einsatz!

Emma fliegt jetzt mal schnell zum Creadienstag. Bin gespannt, was es dort heute wieder an schönen Dingen zu entdecken gibt.


25.08.2014

Hoch zu Ross

Jetzt geht es also weiter mit unserem Reitabenteuer in der Wildnis.

Bei leicht bewölktem Himmel kamen wir am späten Vormittag auf der Pferderanch an und wurden dort stürmisch von den beiden Hunden Blacky und Frostbite (genannt Frosty) begrüßt. Rolf, der Boss der Ranch, schaute dem Schauspiel amüsiert zu und erklärte dann, dass bei ihnen die Tiere das Sagen haben. 
Wenig später stießen auch die beiden anderen Teilnehmer der Tour, Katja und Frank zu uns und wir lernten auch Ingrid, den weiblichen Boss der Ranch und Franziska, unsere zweite Tourbegleiterin kennen. Im Gegensatz zu uns brachten Katja und Frank schon Reiterfahrungen aus ihrer Kindheit mit. 

Mir wurde immer mulmiger, denn zuhause nach der ersten Reitstunde mit AIDA verliefen die nächsten weniger erfolgreich, weil ich einfach im Sattel keine Sicherheit fand. Ganz anders dagegen waren die Reitstunden, die Herr Glasperlengarten mit mir zusammen absolvierte. Er saß von der ersten Minute an im Sattel, als ob er in seinem Leben nie etwas anderes getan hätte, als mit einem Pferd durch die Gegend zu reiten. Während ich jedes Mal mit gemischten Gefühlen zur nächsten Stunde ging, wurde seine Begeisterung fürs Reiten immer größer. Er brachte sogar das Kunststück fertig und galoppierte schon in der dritten Stunde freihändig in der Halle herum. Staun...


Wir deponierten das Gepäck in unserer Unterkunft und trafen uns wenig später an den Pferdeställen. Nun standen wir also vor den Stallungen der Ranch und draußen im eingezäunten Corral trabten munter neun Vierbeiner herum, die uns zum Teil neugierig beäugten. Welche Abenteuer würden sie wohl mit uns Neulingen zu überstehen haben? Ähnliche Gedanken gingen auch mir im Kopf herum. Aber Rolf verstand es, mir gleich in den ersten Minuten meine Ängste zu nehmen. Ruhig und völlig überzeugend erklärte er uns, dass wir uns wirklich auf seine "Banausen" verlassen könnten, denn sie wären absolut trittsicher. Was mich auch beruhigte, war die Tatsache, dass diese Yukon-Pferde nicht so groß waren wie diejenigen, auf denen ich bisher geritten war. Nach weiteren ausführlichen Erklärungen über Zaumzeug, Sattel und den Umgang mit unseren Begleitern für die nächsten Tage wurde es dann Ernst. Die Bande wartete schon ungeduldig darauf, endlich gestriegelt und gesattelt zu werden, damit wir zu unserer ersten Tagestour aufbrechen konnten. Ich spürte deutlich, dass sich meine Anspannung mit jedem Bürstenstrich immer mehr löste und auch CAT, mein vierbeiniger Begleiter bei diesem Abenteuer trug seinen Teil dazu bei. Er war ein ganz ruhiges Pferd, von dem Herr Glasperlengarten im Verlauf der Tour irgendwann mal belustigt sagte, das wäre ein "Pferd für reifere Damen". Aha...

CAT

Ich dagegen konnte kaum ernst bleiben, als sich herausstellte, dass er die nächsten Tage auf dem Rücken von BUDDY verbringen sollte. Dies musste ein ganz besonders pfiffiges Pferd sein, soviel hatten wir schon im Vorfeld von verschiedenen Seiten zu hören bekommen. Und diese Einschätzung sollte sich auch bewahrheiten. BUDDY war ein liebenswertes Schlitzohr und wir, d.h. besonders Herr Glasperlengarten, haben ihn noch lange Zeit nach unserer Tour vermisst.

BUDDY
Dann waren die Pferde gesattelt, unsere persönlichen Utensilien wie Fotoapparat, Wasserflasche und Lunchpaket in den Satteltaschen verstaut und ehe ich mich versah, saß ich auf meinem Pferd und im äußerst bequemen Westernsattel. Vom ersten Augenblick an war das ein völlig anderes Reitgefühl als das, was ich bisher kannte. Ich fühlte mich auf meinem Pferd viel sicherer als zuhause und meine Angst war wie weggeblasen. Rolf trabte mit MAGGIE, dem einzigen weiblichen Wesen in der Pferdebande vorneweg los, wir anderen folgten ihm gemütlichen Schrittes im gebührenden Abstand: Herr Glasperlengarten auf BUDDY, ich mit CAT, Katja auf BUSTER, Frank auf RAVEN und als letzte Franziska auf COSMO, von dem später noch die Rede sein wird.

Nachdem wir das Gelände der Ranch verlassen und eine Straße überquert hatten, ging es weiter durch Busch und Wald. Die Blätter an den Bäumen hatten zum größten Teil schon begonnen, ihre herbstliche Färbung anzunehmen. Die ganze Landschaft leuchtete in der Sonne in den verschiedensten Gelb-, Rot- und Grüntönen und begeisterte uns fast hinter jeder Wegbiegung aufs Neue. Nachdem wir zunächst durch einen lichten Wald und anschließend durch mannshohes Buschwerk geritten waren, brachten wir einen kleinen steilen Abhang erfolgreich hinter uns und erreichten auf einer Lichtung einen See, der zu verlanden begann. Hier machten wir kurz Rast und ließen die Pferde grasen. Auch uns tat diese Pause gut. Entgegen aller vorherigen Befürchtungen wurde nämlich nicht unser "Allerwertester", sondern unsere Beine und nach längerem Reiten insbesondere die Leisten- und Hüftgegend strapaziert, beim einen mehr, beim anderen weniger.


 



Nach einer ausgiebigen Mittagspause am "Sunshine Lake", der seinem Namen alle Ehre machte und uns mit strahlendem Sonnenschein verwöhnte, ging es wieder zurück auf die Ranch. Und jetzt zeigte sich, dass BUDDY keineswegs so harmlos war, wie er tat. Herr Glasperlengarten hatte mit ihm, wie wir anderen auch mit unseren vierbeinigen Gefährten, seinen Apfel aus dem Lunchpaket geteilt. Ich hatte CAT direkt neben BUDDY am nächsten Baum festgebunden und war gerade dabei, meine Satteltasche zu verschließen, als ich von hinten einen kleinen Schubs in den Rücken bekam und merkte, dass sich jemand an meiner Hosentasche zu schaffen machte. BUDDY war auf Inspektion, ob ich vielleicht noch etwas Fressbares dort versteckt hätte! 
Unser Rückweg führte uns an einem Hochplateau vorbei, von dem aus wir einen grandiosen Blick über das Tal genießen konnten. Auch das Wetter meinte es gut mit uns, es war sonnig mit nur leichter Bewölkung und angenehmen Temperaturen.



Als wir spät nachmittags die Ranch erreichten und ich vom Pferd stieg, meinte Rolf mit einem Zwinkern zu mir, ich hätte mir inzwischen die Gangart von John Wayne zugelegt ... Die Pferde wurden abgesattelt und bekamen eine Schüssel mit Hafer, den sie nach dem langen Ritt genüsslich verzehrten. Wenig später waren sie auf der riesigen Ranch verschwunden. Sie konnten sich dort überall frei bewegen, was man an den Pferdeäpfeln auch vor dem Wohnhaus sehen konnte. Irgendwann lagen wir müde und geschafft in unseren Schlafsäcken. Aus der Ferne hörte man das Heulen der Huskys von der gegenüberliegenden Talseite.


Demnächst berichte ich Euch, wie es weiter ging mit unserem Reitabenteuer. 
Ich sag nur schon mal: Hoppe, hoppe Reiter... - Ihr wisst doch noch, wie dieses Lied weitergeht, oder? :-)))


23.08.2014

Ein Leben ohne Träume

geht genauso wenig wie ein Garten ohne Blumen, findet Ihr nicht?
Ich glaube, jeder von uns trägt irgendwelche mehr oder weniger erfüllbaren Träume in sich, manchmal große, manchmal kleine und einige davon trägt man vielleicht auch schon seit der Kindheit mit durch´s Leben. 
Yvonne vom Atelier Wichtelhüsli hat neulich einen schönen Post darüber verfasst und berichtet, welchen Traum sie sich erfüllt hat. Ihren Worten kann ich nur beipflichten. Was wäre ein Leben ohne Träume? Träume sind für mich das Salz in der Lebenssuppe. Aber das Leben ist nicht unendlich und manchmal ändert es sich schlagartig und schlimmstenfalls ist an Wünsche erfüllen dann nicht mehr zu denken. Also, wenn man kann, sollte man das, von dem man schon lange geträumt hat, eines Tages auch machen, wobei sich nicht zwangsläufig jeder Traum erfüllen muss. Unerfüllte Träume gehören vermutlich genauso zum Leben wie erfüllte. Aber ich persönlich fände es schlimm, eines Tages im Alter dazu sitzen und zu sagen: Ach, hätte ich doch nur...

Ich hatte das große Glück und durfte mir einige meiner schon seit Kindheit bestehenden Träum erfüllen. So war ich mit dem Huskyschlitten und auch mit dem Kanu in der kanadischen Wildnis unterwegs. Abenteuer, die ich niemals mehr vergessen werde und wenn ich mir meine Reiseberichte durchlese, ist sofort alles wieder da. Eine Pferdetour stand eigentlich nicht an erster Stelle meiner Wunschliste, aber als wir eines Tages ganz unverhofft die Gelegenheit dazu bekamen, überlegten wir nicht lange und sagten spontan zu. Während ich die Husky- und Kanutour alleine gemacht hatte (mein Herr Glasperlengarten ist nicht so abenteuerlustig wie ich), gingen wir diesmal zu Zweit auf die Reise - wir hatten beide bis auf unsere gemeinsame Tierliebe keinerlei Pferdeerfahrung. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass wir bis dato natürlich auch nicht reiten konnten... Aber einmal ist halt immer das erste Mal und dann war plötzlich alles fest gebucht: Abenteuertour per Pferd durch die Einsamkeit von Nordkanada!



Die Inhaber der Pferderanch, bei denen wir das Pferdeabenteuer erleben wollten, hatten uns zuvor den Rat gegeben, hier zuhause ein paar Reitstunden zu nehmen, damit wir nicht völlig ahnungslos auf die Vierbeiner treffen würden. Nachher waren wir froh, ihrem Rat gefolgt zu sein, denn besonders ich hatte das Reiten unterschätzt, weil ich dachte, wenn ich die Huskytour geschafft habe, würde das hier auch nicht schwieriger sein. Mit der ersten Reitstunde auf einem Reiterhof in unserer Nähe änderte ich meine Meinung.

AIDA hieß mein Pferd, mit dem ich zuhause meine ersten Reitversuche machte. Ich hatte meine Reitlehrerin darum gebeten, dass sie mir nicht so ein Riesentier geben sollte. Selbstverständlich, das wäre doch kein Problem, und im nächsten Moment stand ich vor der AIDA-Pferdebox und schluckte. Dass Pferde größer sind als Huskys war mir ja bekannt, aber wirklich sooo groß? In meinem Hirn ratterte nur ein Gedanke: Wie soll ich da rauf kommen, ohne dass der gesamte Pferdestall und das Personal vor Lachen am Boden liegen? Zu meiner Beruhigung gab es einen Stuhl im Reitstall. Ich hatte also nicht als Einzige das Problem. Erleichterung pur. Aber nur so lange, bis ich sah, wie hoch der Steigbügel letztendlich vom Sattel hing, also trotz Stuhl immer noch viel zu hoch. Ich hing nun da, linker Fuß im Steigbügel, rechter auf dem Stuhl, Schweiß stand mir auf der Stirn, und ich gluckste nur noch vor mich hin: "Ich komm da nicht drauf!" Antwort: "Doch, das schaffen Sie!" Schwung nehmen, rechtes Bein über das Pferd schwingen und oben sei ich. Ich sah mich voller Elan übers Pferd fliegen und auf der anderen Seite im hohen Bogen unsanft auf der Erde landen. Außerdem gab es nur einen ganz schmalen Griff am Sattel, an dem man sich festhalten konnte und ich hatte Angst, ich würde mit meinem Schwung das ganze Pferd umwerfen ... Himmel! Wo war das nächste Mauseloch, in das ich mich am liebsten auf der Stelle verkrochen hätte?

Nach dem dritten Anlauf, nun schon voller Panik, saß ich auf einmal im Sattel. Erleichterung. Man, was war das hoch! Genickbruch wäre das Mindeste, was mir blühen würde. Noch stand der Vierbeiner ja brav auf der Stelle, aber wie um Himmels Willen sollte ich mich denn wo festhalten und vor allem oben bleiben, wenn der lostraben würde? Die nächsten Gedanken waren: Sofort die Pferdetour absagen, das kann man unmöglich überleben! Und dann noch in der Wildnis, wo es bergauf, bergab geht und womöglich noch an steilen Abhängen entlang. Minuten später trabte ich dann schon wesentlich lockerer an der Longe durch die Reithalle, fand sogar den Mut, den Griff am Sattel ganz loszulassen. Ich fand mich richtig klasse, auch wenn es mit der Haltung noch nicht stimmte. Dass so ein Hochgefühl nicht lange anhalten würde, hätte mir ja eigentlich spätestens zu diesem Zeitpunkt klar sein müssen. Jedenfalls kam die nette Dame am anderen Ende der Longe plötzlich auf die Idee, nun wäre es höchste Zeit, dass ich auch mal traben sollte, d.h., AIDA sollte traben und ich musste natürlich mit. Irgendwann hatte ich den Bogen raus, wann ich mich im Rhythmus des seichten Galopps in die Steigbügel stemmen und aus dem Sattel erheben und mich wieder setzen musste. Mittlerweile lief der Schweiß nur noch in Strömen, es war Anstrengung pur. Von wegen: In den Sattel setzen und los gehts! Aber von Runde zu Runde merkte ich, wie ich spürbar lockerer wurde. Es fing an, richtig Spaß zu machen, zumal ich auch immer mehr das Gefühl hatte, sicherer im Sattel zu werden. Einem beginnenden Übermut musste da natürlich sofort eine Grenze gesetzt werden. Also: Pferd anhalten, und nun ging es in der entgegen gesetzten Richtung im Kreis herum. Ich fand das sehr schwierig und verlor erst mal meine Sicherheit auf dem Pferd. Aber auch das ging irgendwann immer besser und auf einmal war die Reitstunde vorbei. Das Runterkommen war übrigens überhaupt kein Problem. Trotzdem hab ich mich eine Sekunde lang gefragt, wer von uns beiden wohl froher war, diese Stunde mit heiler Haut überstanden zu haben, das Pferd oder ich ...

Wenige Wochen später standen wir dann auf der Ranch in Kanada ... 


Wenn Ihr wissen wollt, wie das alles weitergegangen ist, kann ich Euch demnächst ja mal ein bisschen mehr erzählen. Wollt Ihr?

20.08.2014

Lausch(er)angriff...

Falls Ihr Euch wundert, dass es auf meinem Blog immer noch recht still ist und ich auch ziemlich wenig bei Euch kommentiere: Mit mir ist augenblicklich nicht besonders viel los. Nach kurzfristiger Besserung haben irgendwelche bösen Wesen den nächsten Angriff auf meine Öhrchen gestartet mit dem Ergebnis, dass ich nun weder rechts noch links gut höre und die anderen damit verbundenen Beschwerden sind auch nicht gerade lustig. Die Nebenwirkungen der Medikamente sind es ebenfalls nicht und da ich Euch nicht nur was vorjammern will, ist es hier halt ruhiger als sonst. Heute zeigen sich die ersten Anzeichen einer Besserung, das lässt hoffen! Ihr wisst ja, Unkraut vergeht nicht! 

Vor ein paar Tagen habe ich gemeint, ich müsse jetzt endlich mal wieder ein bisschen kreativ werden und habe mich an meine Nadelfee gesetzt. Das hätte ich besser sein gelassen, denn was dabei heraus kam, war vermurkst, also ein Fall für den Abfallkorb.
Aber das wird schon wieder, nur jetzt ist dafür wohl nicht die richtige Zeit. Und deshalb habe ich bisher auch noch nicht an meiner Quiltdecke weitergemacht. Dabei muss ich ja "nur" noch die Schichten zusammenfügen und die Decke dann quilten... Damit warte ich aber mal lieber auf bessere Zeiten. Momentan hat das wohl eher keinen Zweck und es wäre nun wirklich schade, wenn ich mir die wirklich schöne Decke vermurkse. Ich warte also auf "Öhrchen gut, alles gut" - oder so ähnlich :-)))

Wettertechnisch scheint heute endlich mal wieder ein bisschen die Sonne, aber ansonsten hat der Regen der letzten Tage im Garten seine Spuren hinterlassen. Dass der Herbst naht, ist inzwischen nicht mehr zu übersehen. Der Sommerblütenrausch ist vorbei, abends wird es schon erheblich früher dunkel, Blätter verfärben sich und unser Haselnussstrauch trug noch nie so viele Früchte wie in diesem Jahr. Aber ich liebe ja diese Jahreszeit und die damit verbundenen Temperaturen sowieso! Knapp 20° wie heute, ein bisschen Sonne und ein frisches Lüftchen - herrlich! Und herrlich ist auch die Blüte der neugepflanzten Rispenhortensien. Die finde ich dermaßen schön, dass ich mittlerweile schon Pläne für eine teilweise Umgestaltung unseres Vorgartens geschmiedet habe... 




13.08.2014

M M M

Guckt mal hier, ist das nicht ein wunderbarer Mystischer Mittwoch Morgen?
Es sieht ein bisschen wie im Regenwald aus, oder? Allerdings bin ich froh, dass ich dort nicht wohne, denn endlich haben wir wieder frische und kühlere Luft. Aber der Anblick heute Morgen war einfach zauberhaft und ich habe lange zugesehen, wie sich der Nebel allmählich auflöste und immer mehr Sonnenstrahlen die langsam herbstlich werdende Landschaft in sanftes Morgenlicht tauchte.




Vielleicht habe ich heute Glück und darf mir heute Abend etwas wünschen, denn es soll ja die Nacht der Sternschnuppen werden. 


12.08.2014

Das war wohl nichts...

Gründlich daneben gegangen ist gestern der nächste Untersetzer. Diesmal hatte ich roten Filz als Stickgrundlage genommen, ein Fehler, wie sich recht bald herausstellte. Bei dieser kompakten Stickmusterdatei sollte man keinen farbigen Untergrund nehmen, wie ich jetzt weiß (Ihr seht, ich bin auch noch im fortgeschrittenen Alter lernfähig, hihi). Die große Stickfee grummelte zwar nicht mehr so wie noch am Tag zuvor, aber was sie da vor meinen Augen stickte, gefiel mir von Stich zu Stich immer weniger. Es war ein wüstes buntes Durcheinander und dann hatte die Datei auch noch einen Fehler, übersprang einfach ein Muster. Und überhaupt das Muster: Es gefiel mir längst nicht so gut wie das, was ich am Tag zuvor ausprobiert hatte:


Fazit: Dieses Stickmuster wirkt nur auf einem schlichten Untergrund, also werde ich bei grauem Filz bleiben und demnächst einen neuen Versuch mit einem anderen Muster starten. Der unfertige Untersetzer war seit langer, langer Zeit ein Teil, das in dem Korb "weg damit" landete... 
Beim nächsten Mal wird´s besser, hoffe ich.
Danke Euch allen für Eure Kommentare zum Zackenrand. Ihr habt das bestätigt, was ich selbst auch immer dachte: Dieser Rand ist einfach schön und passt richtig gut zu solchen Untersetzern. Und falls er mal eine kleine Unebenheit hat, dann ist das halt so. Es muss nicht immer alles total perfekt sein, auch wenn ich leider so veranlagt bin... Ich bleibe dran und übe mich dann mal im unperfekt-Sein :-))

Da ich ja nun leider heute nichts Neues zu zeigen habe, hüpfe ich mal schnell mit dem Untersetzer von gestern zum heutigen CreaDienstag.


11.08.2014

Sag ich doch...

Die Kreativität kommt wieder!
Gestern Mittag fing es an zu regnen, endlich ist die schwüle Luft weg und vorsichtig lugten die ersten kreativen Regungen aus ihrem Sommerversteck :-). Also hab ich mich mal flugs an meine Stickfee gesetzt. Die allerdings schmollte vor sich hin, weil ich sie so lange vernachlässigt hatte. Schmollen ist nicht der richtige Ausdruck, sie zickte, aber wie! Gefühlte 100mal riss immer wieder der Faden, mein Geduldsfaden aber nicht. Ich ließ mich nicht aus der Ruhe bringen und machte weiter, bis mir die Sticknadel um die Ohren flog, weil sie abgebrochen war. Als die zickende Stickfee mehrmals hintereinander Fadensalat produzierte, reichte es mir und ich drohte ihr an, sie zu entsorgen, fädelte mein neues Stickgarn von Aurifil ein und ... siehe da, von nun an tat Stickfee brav was sie sollte. 
An dieser Stelle hatte ich ja schon einmal über das wunderbare Garn berichtet (hier könnt Ihr noch mehr darüber lesen) und kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass Garn tatsächlich einen Unterschied macht und Garn nicht gleich Garn ist, wobei ich damit nicht sagen will, dass das, was ich bisher verwendet habe (Madeira), schlecht ist. Nein, das ist es ganz und gar nicht, denn ich bin und war damit zufrieden. Nachdem ich in letzter Zeit jedoch so einiges mit dem Aurifil-Garn gemacht habe, hat mich das immer mehr überzeugt. Es fängt bei so Kleinigkeiten an wie Faden einfädeln an (meine große Stickfee hat im Gegensatz zur kleinen Nadelfee leider keinen automatischen Einfädler - das vermisse ich wirklich sehr). Aurifil lässt sich sehr gut einfädeln und was für mich auffällig ist: Es ist mir bisher noch kein einziges Mal gerissen! Leider passiert mir das mit dem Madeira-Garn öfters und das nervt, wenn das beim Sticken gleich mehrmals hintereinander passiert. Deshalb werde ich Stickgarn, was demnächst zu Ende geht, nach und nach durch Aurifil ersetzen. 

Aber jetzt wollt Ihr sicherlich sehen, was ich gestern gemacht habe. Mir fehlte noch ein Flaschenuntersetzer, also habe ich in meinem Stickdatei-Fundus gesucht und wurde fündig. Normalerweise drucke ich die Dateien aus und hefte sie ab, damit ich weiß, wie sie ungefähr aussehen. Auf dem Display der Stickmaschine ist das nämlich oftmals nur schwer zu erkennen. Bei der, die ich gestern verwendet habe, hatte ich das Ausdrucken offensichtlich vergessen. Macht ja nix, dachte ich. Ist ja nur ein Untersetzer - naja, ich hatte nicht darauf geachtet, dass das Stickbild aus 26.000 Stichen bestand... Es dauerte und dauerte, bis es endlich fertig war. Aber ich find´s toll und werde die anderen Dateien sicherlich demnächst auch noch ausprobieren. 

Der Untersetzer hat einen Durchmesser von ca. 14,5 cm



Was mir immer noch nicht richtig gelingt ist, die fertigen Untersetzer schön rund auszuschneiden. Ich mach das ja immer mit der Zackenschere, aber trotz eingezeichnetem Rand gibts immer wieder kleine Unebenheiten. Alternativ könnte man das Stickbild natürlich auch mit Hilfe einer aufgelegten Schablone und eines Cutmessers ausschneiden, aber mir gefällt der gezackte Rand einfach besser. Wie macht Ihr das denn?